Lothar Dirmhirn

Stadtinspektor. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1895    † 1943

 

Lebenslauf

Lothar Dirmhirn wurde am 14.9.1895 in Wien geboren. Er arbeitete als Stadtinspektor. Lothar Dirmhirn war mit Hermine verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei gemeinsame Kinder: Tilla Hegdis, geboren am 3.4.1935, und Ulla Vigdis, geboren am 28.7.1939.

Aus einem Brief v. 4.1.1943 an die Familie Hauer, die seine Tochter Tilla aufgenommen hat

“Denkt sie noch an den Vati und an die Spaziergänge mit mir am Schafberg und in Neustift und Sievering? Einmal, zweimal war der Onkel Hauer (das ist Franz Hauer, er wurde am 13.2.1944 hingerichtet) auch mit, ich habe ihn hier wieder getroffen. Bitte, Tilla soll über Weihnachten und die Feiertage uns schreiben (was sie gemacht und bekommen hat und was sie in der Schule macht usw.), nicht wahr? Und wie geht es euch, schreibt doch bitte auch einmal von euch, ich bin ja so hungrig nach jeder Nachricht von draußen, ein Brief ist doch rasch geschrieben, und ihr bereitet mir eine der letzten Freuden meines Lebens! Also recht bald, nicht? Was berichtet der Sohn von der Front? Morgen ist ja wieder Besuch, wenn ich Tilla wenigstens durch die Tür sehen könnte. Ich denke so oft an sie und an euch.”

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Lothar Dirmhirn agierte als Funktionär der Stadtleitung der KPÖ. Im Rahmen einer Haus- und Personendurchsuchung wurde in der Wohnung des Ehepaares Dirmhirn ein kommunistisches Flugblatt und weiteres "verdächtiges Material" gefunden. Anschließend an die Haus- und Personendurchsuchung wurde das Ehepaar verhaftet. Dies geschah am 27. Jänner 1941. Das Todesurteil über die beiden erfolgte am 17.11.1942. Das Ehepaar wurde am gleichen Tag, dem 26.2.1943, im Landesgericht I in Wien hingerichtet.

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Porträtbild: Willi Weinert oder Wiener Stern Verlag
  • Bild Fallbeil/Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Andere Bildrechte: Angabe bei Anklicken des Bildes (Bildinformation)
  • Andere Bilder: Privatbesitz oder Verein Zur Erinnerung

Porträt erstellt von Jürgen Heimlich, Verein Zur Erinnerung, auf Basis der angegebenen Quellen.

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

Web-Hinweise


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